Mit Sorgen umgehen, ohne sich selbst zu verlieren

Wenn das eigene Pferd krank ist, dreht sich oft alles nur noch um dieses Thema. Diagnosen, Prognosen, Behandlungspläne und die brennende Frage: „Kann ich noch etwas machen, damit es besser wird?“
Viele Pferdebesitzer*innen erleben in dieser Zeit eine dauerhafte innere Anspannung, Schlaflosigkeit, Schuldgefühle oder ein Gedankenkarussell. Darum ging es in diesem Beitrag schon einmal.
Achtsamkeit kann in solchen Phasen helfen. Sie ist kein Schalter, der die Sorgen einfach beendet, aber langfristige Achtsamkeitspraxis kann dabei helfen, Stress zu reduzieren.

Was bedeutet Achtsamkeit?

Achtsamkeit bedeutet so viel, wie die aktuelle Situation bewusst wahrzunehmen. Dazu gehören Gefühle, Gedanken und körperliche Reaktionen genauso wie Reize, die wir von außen wahrnehmen. Wichtig ist, dass vor allem unsere Gefühle und Gedanken zwar wahrgenommen, aber nicht bewertet werden sollten.

Man kann sich das vorstellen, als würde man die eigenen Emotionen von außen betrachten. Sie können dann auch wieder weiterziehen, ohne dass wir uns damit beschäftigen müssen.

Eine bewährte Methode, um die Achtsamkeit zu schulen und zu fördern ist das Achtsamkeitstraining. Das hat nachweislich positive Auswirkungen auf den Stressabbau, die Konzentrationsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Es ermöglicht dir, dich von belastenden Gedanken und Sorgen zu befreien und stattdessen im Hier und Jetzt präsent zu sein.

Achtsamkeitstraining kann in verschiedenen Lebensbereichen wie dem Berufsleben, der Schule oder dem Umgang mit schwierigen Emotionen angewendet werden, also auch mit deinem kranken Pferd.

Sorgen sind kein Zeichen von Schwäche

Sich Sorgen um ein krankes Pferd zu machen, ist Ausdruck von Verantwortung, Bindung und Fürsorge. Problematisch wird es erst, wenn die Sorgen dauerhaft den gesamten inneren Raum einnehmen und du sie gar nicht mehr abschalten kannst. Besonders wenn die Gedanken nicht mehr dazu dienen, ein Ziel zu verfolgen oder dir nichts mehr bringen, dann handelt es sich um Grübelgedanken.

Achtsamkeit bedeutet nicht, positiv zu denken oder Gefühle zu unterdrücken. Sie hilft vielmehr dabei, zwischen hilfreicher Aufmerksamkeit und erschöpfendem Grübeln zu unterscheiden.

Was Achtsamkeit in Krankheitsphasen leisten kann

In belastenden Situationen neigt unser Nervensystem dazu, dauerhaft im Alarmmodus zu bleiben. Das äußert sich unter anderem durch:

  • ständige gedankliche Wiederholungen („Was, wenn…?“) und negative Gedankenspiralen
  • körperliche Anspannung
  • innere Unruhe oder Erschöpfung
  • ein Gefühl von Kontrollverlust

Achtsamkeit setzt genau hier an. Sie schafft kleine, aber entscheidende Momente von Abstand zwischen dir und deinen Sorgen ohne sie zu verdrängen. Das kann helfen:

  • die eigene innere Belastung zu regulieren
  • präsenter beim Pferd zu sein
  • Entscheidungen ruhiger und klarer zu treffen
  • sich selbst nicht völlig zu verlieren

Achtsamkeit wirkt auch auf dein Pferd

Pferde nehmen feinste Veränderungen in Körperspannung, Atmung und Aufmerksamkeit wahr.
Das bedeutet nicht, dass du immer ruhig sein musst. Aber je besser du deinen eigenen Zustand wahrnimmst, desto eher kannst du ihn regulieren und deinem Pferd einen verlässlichen, stabilen Rahmen bieten.

Achtsamkeit bedeutet auch, vor der Begegnung mit deinem Pferd kurz innezuhalten und durchzuatmen. Du kannst dich fragen:
Wie geht es mir gerade? Bin ich innerlich gehetzt, ängstlich, angespannt?
Allein dieses Wahrnehmen kann bereits Entlastung schaffen.

Und: Pferde sind von Natur aus achtsam und leben im Hier und Jetzt. Deswegen sind sie die perfekten Partner für eine achtsame Auszeit oder den Einstieg in das Achtsamkeitstraining, ganz egal ob sie krank oder gesund sind.

Selbstfürsorge ist kein Egoismus

Viele Pferdebesitzer*innen stellen in Krankheitsphasen die eigenen Bedürfnisse vollständig zurück. Doch langfristig führt das oft zu Erschöpfung, emotionaler Überforderung oder dem Gefühl, nicht mehr zu können.

Achtsamkeit kann dabei unterstützen, Warnsignale früher zu erkennen:

  • Wann brauche ich eine Pause?
  • Wo überfordere ich mich gerade?
  • Was gibt mir einen kleinen Moment von Stabilität?

Sich selbst ernst zu nehmen, ist kein Gegensatz zur Fürsorge fürs Pferd, sondern die Basis, um auch langfristig für dein Pferd da sein zu können.

Ein achtsamer Begleiter durchs Jahr: „Durch die Jahreszeiten mit dem Pferd“

Um dich an die Hand zu nehmen (egal ob mit krankem oder gesunden Pferd), habe ich einen Jahreskalender mit Achtsamkeitsübungen für dich und dein Pferd erstellt: Durch die Jahreszeiten mit dem Pferd: Ein Achtsamkeitskalender für Pferdemenschen*, der dich durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter führt und dir hilft, die Zeit im Stall bewusst wahrzunehmen.

Du findest darin:

  • Jeden Monat eine neue Achtsamkeitsübung
  • einen klaren Fokus und Reflexionsfragen, die leicht umzusetzen sind
  • liebevoll gestaltete Illustrationen, die dich durch die Jahreszeiten begleiten
  • Platz für eigene Gedanken und Beobachtungen – ohne Druck zum täglichen Eintragen.

Das Buch lädt dich ein, deine Beziehung zu deinem Pferd tiefer zu verstehen, bewusster zu erleben und achtsam durch ein ganzes Jahr zu gehen – unabhängig davon, ob dein Pferd gesund oder krank ist. Das Buch kann dich dabei unterstützen einen anderen Fokus auf dein Pferd zu bekommen, die Zeit wieder positiver zu erleben und dein Erleben zu reflektieren. Dabei musst du nicht zu Beginn des Jahres einsteigen, du kannst damit anfangen, wann immer es dir passt.

Und als Geschenk funktioniert es natürlich auch sehr gut. 😉

Fazit: Achtsamkeit als Ressource

Achtsamkeit hilft nicht, Sorgen zu eliminieren, aber sie kann dir einen Raum schenken, in dem du klarer, ruhiger und präsenter sein kannst. Auf Dauer kann dir das dabei helfen, deine Emotionen klarer wahrzunehmen und frühzeitig zu erkennen, wann du eine Pause brauchst.

Du möchtest mehr Unterstützung für deine mentale Gesundheit? Ich bin Psychologin und unterstütze dich gern als deine psychologische Begleitung rund ums kranke Pferd! Mit Gesprächen, Strategien, Achtsamkeit oder Hypnose.

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