Dicke Pferde gibt es viel zu viele, das ist mir schon lange klar. Übergewichtig bis hin zu adipös ist das neue Normal. Als mein Pferd die Diagnose Equines Metabolisches Syndrom (EMS) bekam, war ich nicht verwundert. Ich hatte die Fettpolster längst gesehen, aber trotzdem bedeutete es für mich, dass ich das Management noch einmal überdenken musste. Und zwar auf allen Ebenen:
Fütterung, Bewegung, Weidegang.
Wenn man sich mit EMS und seinen Folgen auseinandersetzt, fühlte sich auf einmal vieles gefährlich an. Man ist mit vielen starken Meinungen konfrontiert und wenn man sich für das Pferdewohl dafür entscheidet, eine Weile keinen Weidegang zu ermöglichen, fühlt man sich schnell wie ein Tierquäler.
Hinweis: Ich bin keine Tierärztin. Ich teile hier ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und den mentalen Umgang mit der Situation.
Was EMS für viele Besitzer*innen bedeutet
EMS ist eine Stoffwechselerkrankung, aber für viele Pferdebesitzer*innen ist es auch eine Daueraufgabe im Kopf.
Plötzlich geht es nicht mehr nur um Reiten oder Zeit im Stall, sondern um:
- Futterrationen
- Heufreie Zeit
- Gewicht
- Bewegung
- Risiken
- Hufrehe
- Die Frage, ob man überhaupt noch reiten darf
- und vor allem: Kontrolle
EMS ist keine akute Krise, die man nach einer Weile überstanden hat, sondern eine chronische Herausforderung, die dauerhaft Aufmerksamkeit fordert. Man fängt an, sich mit der korrekten Fütterung zu befassen und bekommt Angst vor Zuckern im Futter. Gleichzeitig weiß man (spätestens wenn man mal ein Pferd mit Magenproblemen hatte), dass lange Fresspausen nicht gesund für den Magen sind. Die Fütterung wird zum Drahtseilakt, während das Pferd dringend mehr Bewegung haben sollte. Doch nicht immer kann ein Pferd mit EMS geritten werden. Manchmal sollte es erst vom Boden aus abgespeckt werden. Dann ist Longieren in der Regel auch keine gute Option, sodass vor allem lange Spaziergänge empfohlen werden, die zwar Pferd und Mensch gut tun, aber auch viel Zeit kosten.
Meine persönliche Erfahrung mit EMS

Als Ponybesitzerin habe ich mich natürlich mit Gewicht, Futtermanagement und EMS auseinandergesetzt, aber das Ausmaß der Fettpolster bei meiner Stute nach einem Winter mit Heu ad libitum zu sehen, hat mich trotzdem schockiert.
Es war mir also klar, dass sich etwas ändern musste. Nach den Erfahrungen mit Magengeschwüren hatte ich gehofft, dass eine ad libitum Heufütterung möglich wäre, aber das war leider nicht der Fall.
Ich musste also etwas an meinem Management ändern. Zum Glück hatte ich mittlerweile die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden was wann und wie oft gefüttert wurde. Also haben meine Pferde (die zu dem Zeitpunkt alle etwas abnehmen konnten) rationiert bedampftes Heu mit Stroh gemischt bekommen. Zwischenzeitlich habe ich einzelne Heuportionen gewaschen, um den Zucker zu reduzieren. Außerdem habe ich die Fresszeiten pro Portion erhöht, indem meine Pferde das Heu vom Boden aufklauben mussten, das sehr lose verteilt war (hier geht das, weil im Stall kein Sand ist! Ansonsten würde ich das nicht machen!) oder nachts in unterschiedlichen Heunetzen und -säcken gefüttert wurde.
Gras war erst einmal komplett gestrichen. Das war womöglich das Schwierigste für mich. Meine Pferde leben zwar in einem Laufstall und können sich dadurch rund um die Uhr in der Herde an der frischen Luft bewegen, aber natürlich tut die Weide mental gut. Trotzdem haben sie die Zeit ohne das Gras gebraucht (zumindest bei dem Gras, das ich ihnen anbieten konnte) und sie haben es alle gut überstanden.
Gerade was das Gras anging war es nicht nur mein persönliches schlechtes Gewissen, das ich überwinden musste, sondern auch die Kommentare von anderen, die oftmals nicht verstanden haben, warum meine Pferde nicht auf die Wiese gingen. Das ist ein so normales Bild, dass niemand damit rechnet, dass es nicht gesund für das Pferd sein könnte (unabhängig davon ob es Pferdebesitzer*innen sind oder nicht), wenn die Weide nicht pferdegerecht gemanagt wird. Umgekehrt wird die Boxenhaltung in meinen Augen viel seltener kritisiert, was ich nach wie vor überraschend finde.
Doch ich musste lernen, hinter meiner Entscheidung zu stehen, denn ich wusste, wofür ich das tat, auch wenn die Einschränkung manchmal wehtat. Natürlich ist es toll, die Pferde auf der Wiese zu sehen oder ihnen mit einer Leckerei eine Freude zu machen, aber manchmal ist es langfristig eben besser, das nicht zu machen.
Zusätzlich habe ich natürlich versucht, mehr Bewegung in das Leben meines Pferdes zu bringen. Und zwar erst mal ohne mich als Reiterin. Das hat für mich bedeutet: Spazierengehen, spazierengehen, spazierengehen. Denn das hatte ich als schonendste und beste Möglichkeit kennengelernt, um ein Pferd abnehmen zu lassen.
In meinem Kopf war dann auch immer die Frage: Kann ich jetzt noch Clickertraining mit Thrista machen? Schließlich sind das wieder zusätzliche Kalorien. Aber: auch übergewichtige Pferde brauchen verschiedene Reize! Deswegen habe ich auch immer wieder Clickertraining in die Bodenarbeit eingebaut. Es gab allerdings immer nur kleine Clickerleckerlis, die auf Basis von Gras waren und keinen Zucker oder Melasse zugesetzt hatten. Ich nutze dafür bis heute aus Überzeugung die Wiesenclicker (unbezahlte Werbung).
Es hat circa zwei Jahre gedauert, aber mittlerweile hat meine Stute ein sehr gutes Gewicht, die Fettpolster sind fast vollständig verschwunden und auch die anderen Pferde stehen sehr gut da. Trotzdem würde ich sie nicht als „geheilt“ bezeichnen. Ich passe noch immer stark auf und beobachte, wie sich ihr Gewicht entwickelt, damit sie nicht wieder so stark zunimmt. Das halte ich bei ihr für eine Lebensaufgabe.
Das Abnehmen hat sich aber auf jeden Fall gelohnt:

Abwechslungsreiches Training trotz EMS
Ob das Pferd weiterhin geritten werden sollte oder nicht, kann meist eine gute Futterberatung einschätzen und darauf würde ich hören. Ansonsten können Spaziergänge (ggf. mit Joggingeinheiten) aber auch vielfältig sein. Dabei kann man sich selbst kleine Challenges setzen:
- Den üblichen Weg einmal andersherum gehen
- möglichst viele unterschiedliche Untergründe finden
- Snacks an Bäumen suchen (Zweige enthalten viel Lignin und gelten deswegen als sättigend, deswegen können sie gut als Snack in einer längeren Heupause genutzt werden)
- Zwischendurch kleine Lektionen oder Kunststücke abfragen (z.B. rückwärts, Schenkelweichen, spanischer Schritt)
- An einer geeigneten Stelle einen Baumstamm als Podest nutzen
Weitere Ideen für die Beschäftigung von übergewichtigen Pferden habe ich in dem Buch „Enrichment für Pferde“* zusammen mit Britta Gockel von Kleine Tante gesammelt. Im Praxis-Teil sind die entsprechenden Ideen als für übergewichtige Pferde gekennzeichnet.
Die unsichtbare Belastung: Verantwortung ohne Pause
Was viele unterschätzen:
EMS bedeutet oft permanente Wachsamkeit, die eine große Belastung mit sich zieht, die ernstgenommen und der entgegengetreten werden sollte.
Viele verschiedene Gedanken schwingen täglich mit:
- Darf mein Pferd das fressen?
- War die Weide heute zu viel?
- Ist das schon ein Risiko oder noch im Rahmen?
- Sollte ich die Weide lieber ganz streichen?
- Wie bekomme ich noch mehr Bewegung in den Alltag meines Pferdes?
Oftmals wirkt es von außen, als hätte man ein konsequentes Management gefunden. Die einen bewundern das, die anderen finden es vollkommen übertrieben. Und das macht es noch schwieriger, denn es fühlt sich anders an:
- permanente Wachsamkeit
- Angst vor Hufrehe
- Schuldgefühle bei jedem Rückschlag
- Unsicherheit, ob man „streng genug“ oder „zu streng“ ist
Der Umgang mit einem EMS Pferd ist ein permanenter Spagat:
Man möchte dem Pferd die bestmögliche Lebensqualität ermöglichen und gleichzeitig jedes Risiko vermeiden.
Das ist psychisch anstrengend!
Mentale Strategien, die mir geholfen haben
Wenn das Pferd chronisch krank ist, ist es wichtig, anzuerkennen, dass das auch eine permanente Belastung für den Menschen bedeutet. Es hilft, sich möglicher Strategien zur mentalen Entlastung bewusst zu sein.
EMS bringt einige psychische Themen besonders häufig mit sich:
Kontrolle vs. Vertrauen
Wie viel Kontrolle von Futter und Bewegung des Pferdes ist dringend notwendig und wo beginnt sie, innerlich zu belasten?
Verantwortung vs. Schuld
EMS ist sicherlich eine Wohlstandskrankheit. Es ist wichtig, sich der Stellschrauben bewusst zu sein, die wir haben, ohne sich dabei die Schuld für die Krankheit zu geben.
Fürsorge vs. Einschränkung
Einschränkungen im Futter oder auf der Weide können sich emotional hart anfühlen, denn wir wünschen uns natürlich etwas anderes für unser Pferd, auch wenn sie medizinisch sinnvoll sind.
Diese inneren Spannungen kosten Kraft!
Du musst das nicht alleine tragen
EMS ist weit verbreitet und trotzdem fühlen sich viele Besitzer*innen damit allein.
Die psychische Seite von EMS hat wenig Raum:
- nicht im Stall
- nicht in Fütterungsplänen
- und oft auch nicht im tierärztlichen Gespräch
Dabei ist genau sie entscheidend dafür, ob dieser Weg langfristig tragbar bleibt. Genau deshalb begleite ich bei mindEquus Menschen mit chronisch kranken Pferden im Online-Coaching als Psychologin. Nicht, um tiermedizinische Lösungen zu geben (das kann ich gar nicht), sondern um mentale Entlastung, Klarheit und Stabilität für dich zu schaffen, damit du deinem Pferd auch langfristig helfen kannst.
Ich setze zum Beispiel an bei:
- Daueranspannung
- Schuld- und Versagensgedanken
- Entscheidungsfindung
- und der Frage, wie Verantwortung getragen werden kann, ohne sich selbst zu verlieren
Wenn du merkst, dass dich EMS nicht nur organisatorisch, sondern auch innerlich stark fordert, darfst du auch für dich Hilfe annehmen. Nicht nur für dein Pferd! Dafür darfst du gern ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen, um herauszufinden, ob das das Richtige für dich ist.
* Affiliate-Link: Wenn du darüber bestellst erhalte ich eine kleine Provision, du bezahlst aber natürlich nicht mehr


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