Warum diese Annahme so verbreitet ist und was wirklich dahintersteckt
„Komisch, oder? Immer die, die sich am meisten kümmern, haben die kranken Pferde.“
Dieser Satz fällt in Ställen erstaunlich häufig. Oft begleitet von einem Schulterzucken oder Seufzen, manchmal mit einem leisen Vorwurf und fast immer mit einer großen Portion Verunsicherung für die Betroffenen.
Viele Besitzer*innen kranker Pferde kennen dieses Gefühl:
Ich tue alles und trotzdem ist mein Pferd krank. Oder ist es sogar genau deswegen? Habe ich etwas falsch gemacht?
In diesem Beitrag schauen wir uns diese Annahme psychologisch an.
Die Beobachtung: Viel Fürsorge = viel Krankheit?
Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so:
- Menschen, die sich intensiv kümmern, haben häufiger gesundheitliche Probleme mit ihren Pferden
- Menschen, die „einfach machen“, scheinen gesunde Pferde zu haben
Doch hier lohnt es sich, innezuhalten und nachzudenken. Denn unser Gehirn liebt einfache Erklärungen. Auch dann, wenn sie nicht stimmen.
Korrelation ist nicht gleich Kausalität
Einer der wichtigsten psychologischen Grundsätze lautet:
Korrelation ist nicht gleich Kausalität.
Nur weil zwei Dinge gemeinsam auftreten, heißt das nicht, dass eines das andere verursacht. Das Beispiel meines ersten Statistikdozenten war eine Studie, in der eine Korrelation von der Anzahl beobachteter Klapperstörche in einer Gegend mit der Anzahl der Geburten in der gleichen Gegend gefunden wurde. Das heißt: Wo mehr Geburten sind, sind auch mehr Klapperstörche. Diese Korrelation existiert.
Kann ich daraus jetzt den Schluss ziehen, dass eine Kausalität besteht?
Das würde bedeuten, dass der Klapperstorch die Kinder bringt. Aber wir wissen hoffentlich alle, dass das nicht stimmt. Trotzdem gibt es diesen Zusammenhang.
In diesem Fall wird es wohl bloß ein zufälliger Zusammenhang gewesen sein. Aber wie ist es bei den Pferdebesitzer*innen und den kranken Pferden?
Aufmerksamkeit verändert die Wahrnehmung, nicht die Realität
Wer sich intensiv mit seinem Pferd und den theoretischen Hintergründen beschäftigt …
- sieht kleine Lahmheiten
- bemerkt subtile Verhaltensänderungen
- erkennt feine Spannungen
- entdeckt minimale Abweichungen vom Normalzustand
- weiß, welche Risiken es für Krankheiten gibt
- kennt Symptome und Krankheitsbilder
Diese Probleme existieren auch bei anderen Pferden! Sie bleiben dort nur oft unentdeckt oder unbeachtet, weil die Besitzer*innen oftmals gar nicht wissen, dass etwas nicht stimmt.
Psychologisch gesprochen bedeutet das:
Aufmerksamkeit erhöht den Wahrnehmungsfokus, nicht die Auftretenshäufigkeit.
Der Bestätigungsfehler: Warum sich diese Annahme so hartnäckig hält
Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist der sogenannte Bestätigungsfehler (Confirmation Bias).
Unser Gehirn:
- merkt sich Beispiele, die eine bestehende Annahme bestätigen
- blendet widersprechende Beispiele unbewusst aus
Wir erinnern uns an:
die überengagierte Besitzerin mit dem chronisch kranken Pferd (oder sehen uns immer wieder selbst darin)
Wir vergessen:
den engagierten Menschen mit stabilem, gesundem Pferd
den nachlässigen Halter mit einem lange übersehenen Problem (das er vielleicht sieht, aber wir sehr wohl)
So entsteht eine verzerrte Realität, die sich dennoch wahr anfühlt.
Die stille emotionale Last von Besitzer*innen kranker Pferde
Was oft übersehen wird:
Menschen mit kranken Pferden tragen eine enorme emotionale Last durch:
- Schuldgefühle
- ständige Wachsamkeit
- Entscheidungsdruck
- finanzielle Sorgen
- Trauer um das „gesunde Pferd, das einmal war“ oder gemeinsame Träume, die aufgegeben werden müssen
- das Gefühl, sich rechtfertigen müssen
Diese Belastung ist real! Deswegen verdient sie Raum, aber sie führt nicht dazu, dass dein Pferd eher krank wird als ein anderes!
Um solche Denkmuster zu erkennen und aufzudecken und um einen Umgang mit negativen Gefühlen zu schaffen, gibt es von mindEquus die psychologische Begleitung für Besitzer*innen kranker Pferde.
Für:
– einen sicheren Ort für Sorgen
– Entlastung von Schuld und Selbstvorwürfen
– Unterstützung bei Entscheidungsprozessen
– einen gesunden Umgang mit Verantwortung und Grenzen
Der Fokus liegt auf der mentalen Gesundheit der Menschen, die tagtäglich Verantwortung für ein krankes Pferd tragen.
Fazit: Engagement macht nicht krank, es macht sichtbar
Nicht die Fürsorge macht Pferde krank.
Sie macht Krankheiten erkennbar.
Wenn du dich also manchmal fragst, warum ausgerechnet du betroffen bist, dann liegt die Antwort nicht in deiner eigenen Schuld oder einem persönlichen Versagen, sondern oft in deinem Wissen, deiner Aufmerksamkeit und der Liebe für dein Pferd.
Und genau deswegen verdienst du Unterstützung. Und zwar nicht nur für dein Pferd, sondern auch für dich selbst.
Wenn du dir Unterstützung durch mindEquus wünschst, kannst du hier ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen.


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