Dass das Pferd plötzlich krank wird, kann man nicht planen. Wenn wir ein Pferd kaufen, gehen wir in der Regel davon aus, dass es gesund ist und das noch lange bleiben wird. Daran sind meist auch viele Träume und Pläne gekoppelt.
Doch manchmal kommt alles anders als geplant: Eben war noch alles normal und plötzlich ist da Lahmheit, Kolikverdacht, Fieber oder du hast das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, ohne dass du genau sagen kannst, was es ist. In solchen Momenten geraten viele Pferdehalter*innen innerlich in Alarmbereitschaft: Gedanken überschlagen sich, das Sorgenkarussell beginnt.

Dieser Beitrag soll dir keine medizinische Anleitung geben. Ich bin Psychologin und daher liegt es mir am Herzen, dir eine Orientierung zu geben, wie du in einer akuten Krankheitssituation deines Pferdes handlungsfähig bleiben kannst und dich nicht in Sorgen verlierst.


1. Kurz innehalten bevor du handelst

Wenn wir in einer stressigen Situation sind, können verschiedene Dinge passieren. Oftmals beginnen wir sofort kopflos zu handeln oder frieren vor Angst ein (klassisches Fight, Flight or Freeze). So widersprüchlich es klingt, aber ich empfehle dir eine andere Vorgehensweise: Der erste Schritt ist nicht sofortiges Tun, sondern ein kurzer Moment des Innehaltens.

Ein paar bewusste Atemzüge helfen deinem Nervensystem, aus dem Schockmodus herauszukommen. Am besten atmest du dabei doppelt so lange aus wie ein. Und noch besser ist es, wenn du durch die Nase ein und durch den Mund ausatmest. Das ist wichtig um mit klarem Kopf die Situation zu analysieren und dann eine gute Entscheidung treffen zu können.


2. Beobachten statt interpretieren

In akuten Situationen neigen wir dazu, sofort zu bewerten: „Das ist bestimmt schlimm.“ Doch genau so entsteht Stress: Durch unsere Bewertung.
Hilfreicher ist es, zunächst sachlich zu beobachten:

  • Wie bewegt sich dein Pferd?
  • Frisst es? Trinkt es?
  • Wirkt es apathisch oder unruhig?
  • Gibt es sichtbare Veränderungen (Schwellung, Wunden, Schwitzen)?

Notiere dir die Auffälligkeiten, die tatsächlich da sind, statt dir innerlich auszumalen, was sein könnte. Am besten hast du dich vorher schon einmal mit den PAT-Werten deines Pferdes beschäftigt (Puls, Atmung, Temperatur), um Änderungen zu bemerken und deuten zu können. Aber selbst wenn nicht: Schreibe dir auf, was du siehst. Das kann deine Gedanken zur Ruhe bringen und kann auch für deine Tierärzt*innen wichtig sein, um die Situation richtig einschätzen zu können. Außerdem läufst du so nicht Gefahr, durch den Stress etwas zu vergessen.


3. Medizinische Hilfe organisieren

Kontaktiere bei Bedarf frühzeitig tierärztliche Unterstützung. Bei Bedarf bedeutet, wenn es ein Notfall ist oder sich der Zustand nicht nach wenigen Tagen bessert.
Gleichzeitig darfst du dir bewusst machen:

  • Du kannst nicht alles sofort wissen
  • Diagnosen brauchen Zeit
  • Ungewissheit gehört leider dazu

Viele Belastungen entstehen nicht durch die Krankheit selbst, sondern durch das ständige gedankliche Vorwegnehmen möglicher Katastrophen. Wir füllen den leeren Raum mit möglichen Ausgängen auf. Vor allem Google, Facebook und Co. sind hier nicht unbedingt deine besten Ansprechpartner. Hier findest du oftmals viele Horrorgeschichten. Und gerade in Ausnahmesituationen neigen Menschen dazu, die Situation nicht mehr objektiv zu beurteilen.
Sich auf den nächsten sinnvollen Schritt zu konzentrieren, ist oft hilfreicher als gedanklich schon zehn Schritte weiter zu sein.


4. Deinen eigenen Stress ernst nehmen

Wenn dein Pferd krank wird, ist dein eigener Stress kein „Nebenthema“ oder unwichtig. Schlaflosigkeit, Grübeln, Anspannung oder Schuldgefühle sind häufige Reaktionen und kein Zeichen von Schwäche. Das trifft sehr viele Pferdebesitzer*innen, auch wenn nicht alle darüber sprechen. Aber das ist ein Zeichen, dass dir dein Pferd am Herzen liegt und du die Verantwortung dafür trägst. Das ist prinzipiell nichts Schlimmes, aber du solltest nicht einfach darüber hinweggehen. Denn bei deinem Pferd achtest du auch darauf, dass es ihm körperlich und psychisch gut geht.

Gerade jetzt kann es helfen

  • regelmäßig zu essen und zu trinken
  • kurze Pausen einzuplanen
  • dir bewusst zu machen, was jetzt in deiner Kontrolle liegt und was nicht
  • dir bewusst Ablenkung zu verschaffen
  • Entspannung zu üben, zum Beispiel durch Achtsamkeit

Dein innerer Zustand beeinflusst nicht nur dich, sondern auch dein Pferd.


5. Unterstützung annehmen – emotional wie praktisch

Viele Pferdehalter*innen versuchen, in Krisen alles allein zu tragen. Das kommt teilweise von Gedanken wie Ich muss stark sein. Doch Unterstützung kann entlasten. Also reflektiere doch einmal, wer dir helfen kann. Zum Beispiel

  • bei der Stallarbeit
  • bei der Einschätzung der medizinischen Situation
  • indem dir jemand zuhört
  • dabei, deine Gedanken zu sortieren

Zum Schluss

Wenn ein Pferd plötzlich krank wird, gerät die Welt aus den Fugen: Wie geht es weiter? Was bedeutet das für dich und dein Pferd? Was wird das alles kosten? Kann das Pferd im eigenen Stall bleiben? All diese Gedanken können dir durch den Kopf gehen, aber mach dir bewusst, dass du vieles davon mit den Informationen, die du bisher hast, noch gar nicht beantworten kannst. Es geht jetzt erst mal um medizinische Versorgung, aber auch auch um emotionale Stabilität und Selbstfürsorge.

Manche Dinge lassen sich nicht kontrollieren, vor allem wenn das Pferd plötzlich krank wird, aber wie du mit der Situation umgehst, kann einen großen Unterschied machen. Kleine bewusste Schritte können helfen, handlungsfähig zu bleiben, auch wenn vieles unsicher ist.

Sollte dein Pferd dann doch chronisch erkrankt sein, kannst du weiterschauen und dich neu orientieren. Und wenn du dennoch Unterstützung benötigst, bin ich als psychologische Begleitung gern an deiner Seite und du kannst direkt ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren!

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