Wenn Pferde schlecht schlafen, dann spricht man schnell von Narkolepsie. In den allermeisten Fällen ist es meines Wissens nach allerdings Pseudonarkolepsie, entstanden durch REM-Schlaf-Mangel.

Wie zeigt sich Pseudonarkolepsie beim Pferd?
In schlimmen Fällen schlafen die Pferdeeinfach im Stehen ein. Klar, das können sie theoretisch (zumindest dösen). Aber für den REM-Schlaf müssen sie liegen. Ein Pferd mit extremem Schlafmangel lässt den Kopf tiefhängen, schwankt, knickt oftmals auch in den Vorderbeinen ein oder fällt ganz hin. Dadurch haben sie auch oft Verletzungen an den Karpal-/Fesselgelenken.
Ursachen finden sich dafür viele (beachtet bitte, dass ich keine Tierärztin bin und mein Wissen nur auf Recherche und eigener Erfahrung basiert):
- Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Aufstehen und Hinlegen können das Pferd so verunsichern, dass sie sich nicht mehr trauen, im Liegen zu schlafen
- Kein oder zu wenig Einstreu
- Ausrutschen durch falschen Untergrund
- zu wenig Liegefläche
- zu viele Pferde auf zu engem Raum und dadurch auch Stress.
Mein Pferd mit Psuedonarkolepsie
Meine Stute Elayne hatte ziemlich viele gesundheitliche Probleme. Irgendwann hatten wir eine besonders schlechte Phase, in der sie sehr müde bis hin zu lethargisch war. Ihr fielen immer wieder die Augen zu, sie schwankte und zeigte irgendwann auch abgeschürftes Fell an den Karpalgelenken.

Also hatte Elayne jetzt Pseudonarkolepsie? Jein. Lange dachten wir, ihre permanente Müdigkeit käme von ihren Herz- und Lungenproblemen. Denn das sind Differentialdiagnosen von Pseudonarkolepsie (darauf können Teile der Symptome auch zutreffen) und die Probleme traten alle ziemlich zeitgleich auf, deswegen ist das nicht zu 100% zu klären (wir hatten auch keine Kamera im Stall, um ihren Schlaf zu beobachten).
Bei Elayne konnte man häufig sehen, dass sie nicht gelegen hat. Sie war sehr sensibel und war auch immer sehr ranghoch. Bei ihr kamen vermutlich mehrere Faktoren zusammen: Sozialstress durch die Herde und wenig Liegefläche für relativ viele Pferde. Zeitweise haben wir das behandelt, indem sie nur tagsüber mit den anderen im Laufstall und nachts in der Box stand, das hat Elayne gut getan.
Die mentale Seite der Pseudonarkolepsie
Pseudonarkolepsie bedeutet nicht nur Stress für das Pferd. Was mich im Umgang mit der Pseudonarkolepsie fast mehr gefordert hat als die praktischen Anpassungen, war die mentale Dauerbelastung, die mit dieser Diagnose einhergeht.
Ich habe ständig gesehen, dass mein Pferd müde war und wollte ihr so gern helfen, konnte es aber nicht. Also habe ich immer wieder recherchiert und überlegt, was ich noch verändern kann. Außerdem brauchte sie für ihre anderen Erkrankungen eigentlich Bewegung, aber das war mit der Müdigkeit kaum möglich.
Durch die verschiedenen Krankheiten musste ich ständig wachsam sein, habe immer beobachtet, was sich verändert und musste einschätzen, wann ich eingreifen sollte.
Typisch ist ein Gefühl von:
- Ich darf nicht wegsehen
- Ich muss jederzeit eingreifen können
- Was, wenn es genau dann passiert, wenn ich kurz nicht da bin?
Diese Art von Daueraufmerksamkeit ist psychologisch enorm anstrengend.
Sie hält das Nervensystem in einer ständigen Alarmbereitschaft. Selbst dann, wenn objektiv gerade keine akute Gefahr besteht.
Viele merken erst spät, wie sehr sie selbst unter Spannung stehen. So ging es auch mir. Ich habe meine Anzeichen einfach ignoriert:
- schlechter Schlaf
- Grübelschleifen
- innere Unruhe
- das Gefühl, nie wirklich abschalten zu können
Mentale Strategien, die im Umgang mit Pseudonarkolepsie hilfreich sein können
Neben den praktischen Maßnahmen braucht es deshalb auch innere Strategien, um langfristig stabil zu bleiben. Dabei gelten natürlich sämtliche Strategien, die auch bei anderen chronisch kranken Pferden wichtig sind. Einige Ansatzpunkte, die ich im Umgang mit Pseudonarkolepsie allerdings besonders wichtig finde, möchte ich noch hervorheben:
Wachsamkeit von Daueranspannung unterscheiden
Aufmerksamkeit ist es wichtig, aber sie darf existieren, ohne dass sie dauerhaft das Nervensystem überfordert. Ein kurzer Check reicht oft aus, du musst nicht permanent auf alles achten, was dein Pferd macht.
Vertrauen in das eigene Handeln entwickeln
Statt Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen, kann es stabilisierend sein, sie als gut begründet für den jeweiligen Moment anzunehmen.
Unterstützung auf mentaler Ebene
Viele Besitzer*innen fühlen sich damit allein, weil Pseudonarkolepsie wenig bekannt ist und die psychische Seite kaum thematisiert wird. Genau hier kann meine psychologische Begleitung für Besitzer*innen kranker Pferde durch mindEquus ansetzen.
Ich bin nicht dafür da, dir Lösungen vorzugeben oder dich medizinisch zu beraten, sondern um einen Raum zu schaffen für:
- Entlastung
- Sortierung der Gedanken
- einen gesünderen Umgang mit Verantwortung
- und die Frage, wie man diesen Weg gehen kann, ohne sich selbst dabei zu verlieren
Manchmal ist es nicht die nächste Maßnahme für dein Pferd, die fehlt, sondern ein Ort, an dem auch die innere Belastung dieser Erkrankung Platz haben darf und gesehen wird. Dafür kannst du gern ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen.


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