Einleitung
Als mir klar wurde, dass mein Pferd Herzprobleme hat, stellte sich mein Leben auf den Kopf. Da waren tausende Fragen, die sich in meinem Kopf drehten:
- Wie schlimm ist es wirklich?
- Hätte ich das früher merken müssen?
- Was bedeutet das für uns?
- Wie lange wird mein Pferd noch leben?
Und leider war mein Pferd damals ein Konglumerat an Symptomen, die trotz vielen Test keine klaren Diagnosen ergeben wollten.
Heute möchte ich dir ein bisschen davon erzählen, wie es mir mit meinem herzkranken Pferd mit diversen anderen gesundheitlichen Baustellen erging und was ich daraus gelernt habe.
Hinweis: Ich bin keine Tierärztin. Ich teile hier ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen und den mentalen Umgang mit dieser Situation.
Ich möchte dir gleich einen Auszug aus einem Text zeigen, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe. Damals steckte ich sehr tief in den Sorgen um meine zwei Pferde, die beide krank waren und für die es scheinbar keine gute Perspektive gab. Ich war auf der Suche nach einem passenden Stall, habe dabei einige Dinge erlebt, die mir nicht gut getan haben und konnte nichts Positives mehr in unserer Zukunft sehen. Dementsprechend zynisch ist der Text stellenweise, aber das war damals eine Art für mich, die Situation zu reflektieren und damit umzugehen. Ich glaube, die Art, wie ich dabei geschrieben habe, zeigt schon ein bisschen, wie es mir damals ging.
Der Text ist so geschrieben, dass er Leser*innen direkt anspricht. Das habe ich nicht für den Blog geändert, sondern damals schon so geschrieben.
Mir ist diese Einordnung sehr wichtig, weil ich heute vieles anders betrachte. Dennoch möchte ich Teile des sehr langen Textes heute ungefiltert zeigen. Und damit beginnen wir jetzt.
Wie die Krankheits-Odyssey begann
Das Drama nahm seinen Anfang am 01.06.2020. Ja. Das weiß ich noch ganz genau. In dem Jahr, das nie existierte. Das Corona-Jahr. Der Anfang vom Ende. Und genau in diesem Jahr hat meine Stute Elayne sich gedacht: Machen wir doch alles mal noch schlimmer. Warum ich das Datum noch so genau weiß? Weil 2020 das Jahr war, in dem ich Karten für den Dülmener Wildpferdefang hatte. Der sollte am 30. Mai stattfinden. Sollte, weil die Pandemie natürlich einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Und deswegen war ich einen Tag später, am 31. Mai, trotzdem im Merfelder Bruch und habe mir die Herde dann eben ohne den Fang angesehen. So ein bisschen, um der Pandemie den Mittelfinger zu zeigen. Aber wer konnte schon ahnen, dass das Leben mir daraufhin den Mittelfinger zeigen wollte?

Elayne war eine braune Rheinländerstute, ihres Zeichens Springpferd aus Leidenschaft, wobei sie ihre Dressur-Blutlinie einfach völlig verdrängt. Und auch mit 21 wollte sie eigentlich am liebsten immer noch weiter auf Springturniere gehen, obwohl sie das nicht mehr getan hatte, seit ich sie gekauft habe. Wenn ich eins nämlich gar nicht kann, dann ist es Springen. Dafür fehlt mir der Mut. Elayne war das aber immer egal. Tut das jetzt irgendwas zur Sache? Naja, zumindest habt ihr jetzt eine Vorstellung, um wen es eigentlich geht. Denn Elayne wollte auch mit über 20 noch kein Oldie sein. Sie war so fit wie eh und je. Und dann machte ich einen gravierenden Fehler: Am 31.05.2020 war der Tag, an dem ich nicht in den Stall ging.
Ja, ich weiß, klingt nicht dramatisch. Aber ich habe daraus gelernt, dass ich das nicht mehr tun sollte. Wenn man einmal nicht da ist, kann man sicher sein, dass die Pferde am nächsten Tag krank sind. Oder zumindest ist das ein besonderes Talent von Elayne. Ganz so, als wollte sie mir eins auswischen dafür, dass ich sie einfach einen ganzen Tag lang auf der Wiese vernachlässigt habe.
Ich kam also nichtsahnend am 01. Juni auf die Wiese. Elayne stand da wie immer und doch war sofort klar: Irgendwas stimmt da nicht. Nennt es weibliche Intuition, nennt mich Helikoptermutter, keine Ahnung. Sie stand nur da, ich konnte nicht einmal ihren Kopf sehen, geschweige denn den Bauch, an dem ich dann das Ödem vorfand. Sie war auch immer noch fit, wollte sich bewegen, alles gut. Aber noch bevor ich das Ödem sah, war mir klar, dass etwas nicht so war wie sonst. Und als ich dann das Ödem entdeckte, ging mir gleich ein Gedanke durch den Kopf: Das ist nicht gut!

Leider behielt mein Gefühl recht. Wobei sich das erst ein paar Tage später herausstellen sollte, denn erst einmal hielten mich alle für relativ hysterisch. Ja, gut, da war etwas geschwollen an der Bauchnaht. Ja, und? Es war ja auch immerhin Insekten-Hochzeit. Kriebelmücken, tippte meine Tierärztin. Auf meine Bitte, das Pferd noch abzuhören, konnte sie nichts ungewöhnliches feststellen. Aber ich glaube, sie nahm das auch nicht wirklich ernst. Vielleicht war ich also wirklich einfach nur hysterisch.
Aber nein, ich hatte es ja schon angekündigt: Das Ödem verschwand nicht einfach, sondern wanderte fröhlich vor sich hin, veränderte sich und schien es sich so richtig schön gemütlich zu machen.
„Sicher nur ein Stich“, redete ich mir weiter ein, während etwas in mir lauthals schrie: „Das glaubst du doch nicht wirklich!“
Und tatsächlich: Beim nächsten Abhören brauchte meine Tierärztin erstaunlich lange, ließ das Stethoskop hierhin und dorthin wandern, ihr Blick noch immer das perfekte Pokerface. Doch dann sagte sie: „Da ist tatsächlich ein Nebengeräusch. Das sollte sich besser mal ein Spezialist ansehen. Nur um sicher zu gehen.“
Damit war es dann auch um mein Herz geschehen, denn das rutschte mir bei diesen Worten sofort in die Hose, während meine innere Stimme höhnte: „Ich wusste es! Ich hab’s dir doch gesagt!“
Das Bangen ging also jetzt erst so richtig los, denn plötzlich, wie aufs Stichwort, ging es Elayne schlechter. Sie wirkte müde, ihr Gesicht ein typisches Schmerzgesicht. Ihr Rücken war so stark verspannt, dass sie auf den kleinsten Druck extrem in sich zusammensackte. Hin und wieder schien die Hinterhand förmlich umzukippen, doch sie konnte sich immer wieder fangen. Die Symptome passten einfach nicht zusammen. Als würde man blind würfeln, was ein Pferd denn so für Symptome zeigen konnte. Also fing ich an, alles stichpunktartig Tag für Tag zu dokumentieren.
Das sah dann in etwa so aus:
01. Juni: Ödem kurz vor dem Nabel, Pferd aber so weit fit.
02. Juni: Ödem ist gewandert und hat sich verändert; Die Tierärztin war da und es gab etwas gegen die Ektoparasiten (Kriebelmücken), Atmung angestrengt, kein Herz-Nebengeräusch, trotzdem ab dann: Fütterung von Weißdorn (erste 7-10 Tage 5 ML, danach normale Dosis von 3 ML) – Es war recht warm; Für den Kreislauf haben wir Koffein bekommen; Spritze gegen die Ödeme.
03. Juni: Ödem noch da, anders verteilt; Rechtsseitig verschiedene kleine Wunden, auf der Seite sehr verspannt im Rücken, zweimal fast „umgekippt“, sehr müde – es war sehr warm, leicht longiert.
04. Juni: Sehr müde, angespanntes Maul, matte Augen; Nebengeräusch gefunden, nochmal Spritze gegen Ödem bekommen; extrem verspannt im Rücken und Hinterhand (Zusammenhang zum Umkippen); Koffein hat nicht geholfen, Elayne bekam Blut abgenommen, verschiedene Dinge gespritzt (Selen, Magnesium, Vitamin E), bekommt Schmerzmittel (für 4 Tage, bringt aber nichts außer für den Rücken), Temperatur bei 38,0, Mittel gegen Hautpilz bekommen – es war eher kühl.
(Insgesamt sind es über zwei DIN A4 Seiten geworden, das erspare ich euch an dieser Stelle lieber.)



Mehr konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht machen. Unterstützten, wo es nur geht, aufmerksam sein und alles aufschreiben, was auffällt. Aber habt ihr das schon mal gemacht? Ich sage euch, euch fallen plötzlich Dinge auf, die ihr in einer normalen Situation niemals gesehen hättet. Hat das Pferd gerade das Futter schief angeschaut? Läuft die sonst auch so verspannt? Ein klassischer Fall von sein-Pferd-lahm-gucken.
Pferdeleute kennen das. Wenn man sich nur lange genug ein Pferd im Laufen anschaut (besonders gern auch in kurzen Videos im Netz), dann findet man immer irgendeine Lahmheit. Egal, ob das Pferd wirklich krank ist oder nicht. Und dann ist das Geschrei groß: „Vorne links läuft es unrund! Und ist da nicht sogar die Sehne dick?“
„Nein, das kommt ganz sicher vom Rücken!“
„Vom Rücken? Ach was, Illiosakralgelenk! Ich sag’s euch! Das ist das ISG!“
„Quatsch, die Schulter ist blockiert.“
„Das Pferd hat Hufrehe.“
„Ach ne, ist nur das weiße Bein, da sieht das schon mal anders aus.“
Und während jeder eine andere Meinung hat und dem putzmunteren Pferd eine todbringende Krankheit angedichtet wird, verzweifelt gerade der Besitzer.
So ähnlich war das bei uns auch. Denn man fängt ziemlich schnell an, einen wirklich dummen Fehler zu machen, obwohl man weiß, dass man es nicht machen sollte.
Man fängt an, Google zu befragen. Zu Symptomen oder Blutwerten, oder was einem sonst so einfällt. Und Google ist zu Pferden leider nicht gnädiger, als zu Menschen und spuckt ziemlich schnell die haarsträubendsten Diagnosen aus. Dann sollte man vielleicht doch lieber auf die Meinung des Spezialisten vertrauen, oder…?

An dieser Stelle breche ich mal ab, du kannst dir aber vielleicht schon denken, dass es mit dem Spezialisten nicht besser wurde, sondern leider nur schlechter. Das Ganze hat sich ziemlich lange hingezogen, es wurde unter anderem ein 24-Stunden-EKG durchgeführt und Elayne wurde gegen Magengeschwüre behandelt, doch die Diagnosen waren nicht wirklich zufriedenstellend.
Einen kleinen weiteren Ausschnitt möchte ich dir aber nicht vorenthalten, weil ich ihn für sehr passend halte.
Der ein oder andere wird sich vielleicht denken: Das kann doch niemals so passiert sein. Und manch einer wird vielleicht denken: Halleluja, ich bin nicht allein! Und wieder andere werden sich fragen, warum man sich überhaupt Pferde kauft. Oder ein zweites, nachdem man mit dem ersten so eine Odyssee durchgemacht hat. Ganz ehrlich? Das frage ich mich auch hin und wieder. Vermutlich ist es eine Sucht. Man kann einfach nicht aufhören, auch wenn man weiß, dass es nicht gut ist. Und in den guten Zeiten denkt man: Ach, so schlimm kann es doch gar nicht werden.
Und dann wird es noch schlimmer.
Unklare Diagnosen: Ein ständiges Auf und Ab
Was ich aus dieser Zeit gelernt habe, ist, dass das Halten eines kranken Pferdes (vor allem, wenn die Symptome uneindeutig und die Diagnosen daher unklar sind) ein ständiges Auf und Ab ist. Ich finde, man liest es auch aus dem Text oben gut heraus: Ich habe auf jede kleine Veränderung geachtet. Irgendwann wurde jedes weitere Symptom gefühlt zur Hiopsbotschaft und einem möglichen Todesurteil.
Ich befand mich in permanenter innerer Alarmbereitschaft:
- jedes kleine Zucken wird beobachtet und analysiert
- Schuldgefühle bei jeder Verschlechterung
- das Gefühl, ständig auf Abruf sein zu müssen und immer wieder im Stall zu sein
- Ständiges Suchen nach Erklärungen, Erfahrungen und Lösungen
- Recherchieren, um zu verstehen, was los ist
- die Angst, dass man etwas falsch macht und es dem Pferd dadurch schlechter geht
- die Frage, wie das alles weitergehen soll
- die Sorge, das Pferd gehenlassen zu müssen
- das Grübeln, das Gedankenkarussell und die Tatsache, dass meine Stimmung vollständig davon abhing, wie es meinem Pferd ging.
Ich hatte kein anderes Thema mehr. Mein gesamtes restliches Leben ist in den Hintergrund gerückt. Ganz besonders das, was mir Spaß gemacht hat.
Und noch dazu habe ich ganz ungünstige Glaubenssätze entwickelt, die teilweise auch aus dem Text oben herausgelesen werden können. Einer, der sich lange gehalten hat, ist: Ich darf nicht mal einen Tag vom Stall wegbleiben, sonst passiert etwas Schlimmes.
Mentale Strategien, die mir geholfen haben
Ich habe zu diesem Zeitpunkt zwar schon im Bachelor Psychologie studiert, aber ich muss gestehen, dass ich lange Zeit gar nicht wusste, was mir helfen könnte oder was ich machen könnte. Am Anfang habe ich nicht mal bewusst verstanden, dass ich mich immer weiter abwärts spiralisierte mit meinem ständigen Grübeln.
Was mir aber tatsächlich sehr geholfen hat, ist, alles aufzuschreiben. So ist ein Dokument mit 38.000 Wörtern entstanden, das noch nicht mal die ganze Geschichte abdeckt. Der Ausschnitt oben kommt daher.
Ein weiterer Faktor war der Austausch mit anderen Pferdebesitzer*innen, die ebenfalls chronisch kranke Pferde hatten. Allerdings war das auch ein Fallstrick, denn während es gut war, meine Gedanken loszuwerden, konnte es für mich auch negativ sein, von anderen Problemen und Gedanken zu meinem Pferd zu hören, denn das löste nur weitere Grübelgedanken aus. Für mich persönlich war das Aufschreiben also der bessere Weg.
Und: Auch der Abstand zum Pferd hat mir gut getan. Immer mal einen Tag zuhause bleiben und Verantwortung abgeben, mich bewusst ablenken. Das ist mir wirklich schwer gefallen, aber hin und wieder habe ich es geschafft. Teilweise kam danach wieder etwas Neues dazu, aber die kurze Pause hat mir trotzdem gut getan (zumindest kann ich das im Rückblick so klar sehen).
Warum mentale Begleitung so wichtig ist
Gerade bei unklaren oder chronischen Diagnosen vergisst man leicht die eigene mentale Gesundheit.
Wir kümmern uns rund um die Uhr um das Pferd, aber uns selbst überlassen wir die Sorgen oft allein und erkennen nicht an, dass wir ebenfalls leiden.
Mir hat diese Zeit enorm zugesetzt und meinem Umfeld garantiert auch, denn ich war damals definitiv kein angenehmer Umgang.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich dringend Unterstützung gebraucht hätte. Ich habe es nur in dem Moment nicht erkannt. Und wenn ich es erkannt hätte, hätte ich nicht gewusst, an wen ich mich wenden sollte.
Genau deswegen habe ich es mir nach meinem Psychologiestudium mit mindEquus zum Ziel gemacht, andere in dieser Situation zu unterstützen.
- Für mehr Klarheit in belastenden Situationen
- Für Strategien, um mit Sorgen und Unsicherheit umzugehen
- Für einen sicheren Rahmen, in dem du alles aussprechen darfst, was dir durch den Kopf geht, ohne dafür verurteilt zu werden
- Für die Möglichkeit, einfach mal abzuschalten und zur Ruhe zu kommen, zum Beispiel mit Hypnose
- Für Werkzeuge, um mentale Stabilität zu gewinnen, während du dich um dein Pferd kümmerst
Ich biete explizit keinen medizinischen Rat, sondern mentale Unterstützung für Menschen, die Verantwortung für kranke Pferde tragen. Natürlich kann ich auch auf meine Erfahrung zurückgreifen und habe hier und da vielleicht noch mal eine Idee für dein Pferd, aber in erster Linie geht es um dich!
Schlussgedanke
Herzprobleme oder unklare Diagnosen beim Pferd sind emotional herausfordernd. Ich wünsche mir, dass es dir nicht so geht, wie es mir damals ging. Du sollst wissen, dass du nicht allein bist und dass es möglich ist, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst zu verlieren.
Wenn du spürst, dass die Sorgen dich dauerhaft belasten, begleite ich dich gerne in meinem Coaching, damit du wieder Raum für Ruhe, Klarheit und Stabilität findest. Du kannst gern direkt ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen.



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