Magenprobleme beim Pferd begegnen uns mittlerweile sehr häufig und die Symptome sind vielfältig. Manchmal sind die ganz eindeutig, manchmal so diffus, dass lange nicht klar ist, dass die Probleme vom Magen herrühren.
Häufiges Gähnen
Starke Reaktionen auf Putzen am Bauch
Schnappen beim Gurten oder Satteln
Leistungseinbußen
Weniger galoppieren wollen
Treten als Reaktion auf Schenkelhilfen
Wiederkehrende Koliken
Magenprobleme gehören zu den häufigsten (und gleichzeitig emotional für die Besitzer*innen stark belastenden) Erkrankungen bei Pferden. Nicht nur, weil sie teilweise schwer zu erkennen und zu behandeln sind, sondern auch, weil sie Besitzer*innen oft in einen Zustand dauernder Wachsamkeit versetzen.
Wichtig: Ich bin keine Tierärztin und möchte mir nicht anmaßen, veterinärmedizinische Ratschläge zu geben. Ich kann nur von meinen Erfahrungen und meinen Recherchen berichten, wenn es um medizinische Hintergründe geht.
Magenprobleme beim Pferd: was wir aus der Forschung wissen
Wissenschaftliche Studien zeigen seit Jahren: Magengeschwüre sind bei Pferden weit verbreitet.
Je nach Nutzung und Haltungsform zeigen Studien Prävalenzen (also Auftretenshäufigkeiten) von:
bis zu 90 % bei Rennpferden
60 – 70 % bei Sportpferden
aber auch Freizeitpferde sind häufig betroffen.
Woran liegt das?
Der Pferdemagen produziert rund um die Uhr Magensäure. Diese Magensäure kann die Magenschleimhaut angreifen (besonders in Bewegung), wenn sie nicht „abgepuffert“ wird. Diese Aufgabe übernimmt der Speichel zusammen mit dem Futter. Allerdings wird Speichel beim Pferd nur produziert, wenn gefressen wird. Also Dauerfuttersucher ist das Pferd (und damit auch sein Magen) also darauf ausgelegt, regelmäßig zu kauen.
Wenn man sich die Studien ansieht, findet man immer wieder verschiedene Faktoren, die als Risiko für Magengeschwüre beim Pferd beschrieben werden, sind unter anderem:
längere Fresspausen (in der Regel ab ca. vier Stunden)
hohe Kraftfuttergaben
intensive Belastung
Stress (z. B. Training, Transport, Stallwechsel, ständig wechselnde Bezugspersonen, unpassende Herdenzusammenstellungen oder Isolation)
„Ich mache doch schon alles richtig … oder?“
Als Besitzerin eines Pferde mit Magengeschwüren sieht man sich häufig vielen Schwierigkeiten gegenüber. Das Futter wird umgestellt auf weniger Kraft- und mehr Raufutter (teilweise Heu ad libitum), das Training wird penibel geplant, damit das Pferd vorher genug gefressen hat und nicht zu lange ohne Futter sein muss und der Stress wird so gut wie möglich reduziert.
Und doch kommen die Symptome manchmal wieder oder können nicht komplett abgestellt werden. Gerade wenn schon alle Stellschrauben verändert wurden, kommen dann schnell Zweifel auf:
Darf ich mein Pferd überhaupt noch reiten?
War das Training zu viel? Oder zu wenig?
Habe ich die Krankheit vielleicht selbst verursacht?
Sollte ich doch besser (noch mal) den Stall wechseln?
Dabei wird das Pferd oft mit Argusaugen beobachtet, genau wie die Futtermenge und -qualität. Und dann kommen auch noch Dinge wie das Wetter dazu, die wir nicht beeinflussen können.
Vielleicht war das Wasser zu kalt, das mein Pferd getrunken hat? Vielleicht hat es gefrorenes Gras gefressen? Vielleicht hat es sich durch den Wind verkrampft?
Nach der (Verdachts-)Diagnose Magengeschwüre kann gefühlt alles dazu führen, dass die Symptome beim Pferd schlimmer werden.
Und genau das kann psychisch zur Belastung werden. Vor allem, wenn man dazu neigt, alles perfekt machen zu wollen, sich immer tiefer einzulesen und sein Pferd genau zu beobachten.
All das sind sehr gute Eigenschaften, von denen die Pferdegesundheit profitiert, aber manchmal machen wir uns damit selbst kaputt, weil wir nur noch über die Gesundheit des Pferdes grübeln.
Das ist keine Schwäche. Das ist eine normale Reaktion auf eine chronische oder wiederkehrende Belastung, bei der man Verantwortung für ein Lebewesen trägt, das sich nicht selbst äußern kann.
Mir selbst ging es genau so, als das Thema Magengeschwüre zum ersten Mal bei meiner Stute im Raum stand. Sie hätte diverse gesundheitliche Themen (unter anderem Herzprobleme und chronisches Kotwasser), sodass immer die Frage war: Was bedingt was?
Das war enorm anstrengend, denn ich habe ständig versucht, Puzzleteile zu finden, die ihre Symptome erklären konnten. Ich habe versucht, alles perfekt zu machen und konnte doch nicht auf alles Einfluss nehmen. Und immer wenn ich dachte, es sei gut, kam wieder etwas Neues dazu. Das war unglaublich frustrierend und erschöpfend!
Und dann, eine Weile später, hatte auch ein weiteres Pferd von mir ein Thema mit dem Magen. Dabei zeigte es sich erneut sehr diffus: Der Galopp wurde vermieden, im Trab veränderte sich das Gangbild (die Hinterbeine traten nach außen am Bauch vorbei) und das Pferd schleckte enorm viel Salz am Leckstein.
Zum Glück hat hierbei die Medikamentengabe schnell geholfen, aber auch danach blieben immer die Fragen: Was hat die Magenprobleme ausgelöst? Worauf muss ich in Zukunft achten? Kommen die Magenprobleme wieder?
Auch du darfst Unterstützung brauchen
Man muss nicht am Ende sein und zusammenbrechen, um sich Begleitung zu erlauben. Für dein Pferd ist dein Tierarzt oder deine Tierärztin da, und für dich?
Manchmal geht es darum
wieder etwas mehr innere Ruhe und Freude am Pferd zu finden
Selbstvorwürfe und das eigene schlechte Gewissen zu reflektieren und zu verstehen
die Verbindung zum eigenen Pferd nicht nur über seine Krankheit zu definieren und das Pferd nicht nur als Patient zu sehen
Genau hier setzt meine psychologische Begleitung an: nicht als Ersatz für deine Tierärztin oder deinen Tierarzt, sondern als ergänzende Unterstützung für dich.
Wenn du dich in diesem Text wiedergefunden hast, dann bist du damit nicht allein. Und du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Ich unterstütze mit mindEquus Besitzer*innen chronisch kranker Pferde und biete ihnen eine psychologische Begleitung an. Interesse? Vereinbare gern dein kostenloses Kennenlerngespräch.
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