Mittlerweile sehe und höre ich überall Pferde mit Husten, Bauchatmung und Rotz an den Nüstern. Früher hätte ich das gar nicht bemerkt.
„Der stößt halt mal an, wenn er antrabt“ oder „die muss erst mal ihre Lunge frei bekommen“; diese Sätze habe ich oft gehört und früher auch selbst genutzt, weil ich es nicht besser wusste.
Heute, geprägt durch mehrere Pferde mit equinem Asthma, schrillen bei mir viel schneller die Alarmglocken, weil ich weiß, dass Husten beim Pferd ein Spätsymptom ist und immer ernst genommen werden sollte.
Denn wenn die Erkrankung erst mal chronisch ist, kann sie zwar teilweise noch geheilt werden (das weiß ich heute dank Dr. Veronika Klein von Kernkompetenz Pferd, die tolle Vorträge und Online-Kurse zu equinem Asthma anbietet), doch je später sie erkannt wird, desto schlechter sind die Chancen dafür. Und dann gibt es eben nur noch Symptombekämpfung, ein ständiges Beobachten und die Optimierung der Haltung. Dann wird das Pferd nur noch zum Patienten und die Sorgen drehen sich im Kreis.

Was ist eigentlich equines Asthma?

Wichtig: Ich bin keine Tierärztin und kann mich nur auf das beziehen, was ich gelernt und gelesen habe. Erster Ansprechpartner für gesundheitliche Fragen sollte immer der Tierarzt oder die Tierärztin sein.

Trotzdem möchte ich kurz zusammenfassen, was ich weiß: Equines Asthma ist eine Lungenkrankheit, bei der eine überempfindliche Reaktion auf Reizstoffe wie Staub in der Atemluft zu Entzündungen führt, die wiederum die Atmung für das Pferd erschweren kann (stark vereinfacht dargestellt).

Die Diagnose equines Asthma betrifft mittlerweile bis zum 80% aller Pferde in milder bis moderater Form. Kein Wunder also, dass Lungenprobleme bei Pferden so oft gesehen werden.

Equines Asthma bedeutet Anpassung

Wenn die Diagnose Equines Asthma gestellt wurde, bedeutet das oft eine große Veränderung im Leben des Pferdes (und der Besitzerin oder des Besitzers).

Bei Lungenproblemen sollten Pferde möglichst wenig Staub ausgesetzt sein, weshalb trockenes Heu und Stroh in der Regel als erstes aus der Haltung verbannt werden müssen. Stattdessen kann das Futter nass oder bedampft gefüttert oder durch eine qualitativ hochwertige Heulage ersetzt werden und das Einstreu durch eine staubarme Alternative ersetzt werden. Das ist meist entweder mit deutlich höheren Kosten (durch Strom und Wasser sowie Einstreu) verbunden, oftmals aber auch mit einem Stallwechsel, weil Einsteller*innen nicht immer Einfluss auf Futter und Einstreu nehmen können.

Insgesamt gilt Stallhaltung als Risikofaktor für equines Asthma, da die Pferde hier vielen negativen Reizen für die Lunge ausgesetzt sind, zum Beispiel durch den Staub, der beim Aufschütteln der Einstreu und des Heus entsteht, Schimmelpilzsporen im Staub und Ammoniak durch den Urin im Einstreu. Durch die in der Regel schlechtere Belüftung bleiben diese Partikel auch länger in der Luft. Daher sollte auch die Belüftung im Stall verbessert werden. Durchgehende frische Luft sowie die Möglichkeit sich zu bewegen, um die Lunge zu belüften (denn die Pferdelunge reinigt sich selbst durch längere Bewegung, vor allem in höheren Gangarten) sollten möglichst gegeben sein.

Wer kann, versucht dann auch noch, die Fressposition des Pferdes zu verbessern: Kann es mit einer tiefen Kopfhaltung vom Boden fressen, kann der Schleim eher abfließen, als wenn das Pferd aus einem Heunetz frisst.

Bild: Equnies Asthma - Pferd mit Inhalator

Und als wäre das noch nicht genug, müssen teilweise auch Medikamente gefüttert oder inhaliert werden (am besten vor dem Training), um die Symptome des Pferdes zu lindern.

Leben mit Unsicherheit

Equines Asthma fühlt sich oft unberechenbar an. Es gibt immer wieder gute Phasen, aber auch Rückschläge von denen man die Auslöser nicht immer kennt.

Diese Ungewissheit kann emotional extrem belastend sein. Vor allem wenn gerade alles gut war und dann wieder eine Verschlechterung kommt, obwohl das Management gut angepasst ist und das Pferd regelmäßig bewegt wird, kann es enorm frustrierend sein.

Meine Erfahrung mit asthmatischen Pferden

Mittlerweile darf ich auf viele Jahre Erfahrung mit asthmatischen Pferden zurückblicken. Ich habe dadurch sehr viel gelernt und erkenne Symptome dadurch früh und kann sie oftmals gut einschätzen. Dafür bin ich heute dankbar, aber der Weg war nicht immer leicht.

Meine erste Stute Elayne hatte in ihrem späteren Leben viele Krankheiten wie Magenprobleme und chronisches Kotwasser. Heute weiß ich, dass sie schon sehr lange equines Asthma hatte, ich wusste es bloß nicht, denn die ersten Jahre hat sie zwar immer wieder beim Antraben gehustet, aber das wurde von niemandem (inklusive mir) ernst genommen.

Selbst als es stärker wurde und sie einseitigen Nasenausfluss bekam, wurde in der Klinik, in der wir zwei Mal waren, zwar bronchoskopiert und behandelt, aber die Symptome gingen nie auf Dauer weg. Trotzdem wurde auch dort der Begriff equines Asthma nicht verwendet.

Es ist natürlich Spekulation, jetzt herausfinden zu wollen, wann alles anfing, und wann man eine Diagnose hätte stellen können, deswegen halte ich mich damit nicht weiter auf. Ich gehe persönlich aber davon aus, dass sie schon lange chronisch lungenkrank war.

Foto: Dünne Spritze mit klarer Flüssigkeit zur Desensibilisierung bei Allergien vor einer Pferdenase

Bei meinem zweiten Pferd achtete ich also (weil ich schon sensibilisiert war und mich mehr informiert hatte) deutlich mehr auf Symptome. Als sie immer wieder eine erhöhte Atemfrequenz und geblähte Nüstern zeigte, holte ich schnell eine Tierärztin und bekam die Diagnose equines Asthma. Wir machten auch noch einen Allergietest und probierten eine Desensibilisierung mit regelmäßigen Spritzen. Zusätzlich hieß es dann für beide: Inhalieren. Mit dem Inhalationseimer, aber auch eine Woche im Soleanhänger.

Zusätzlich wurde die Haltung so gut wie möglich angepasst, aber als Einstellerin stellte sich das sehr schwierig dar. Ich konnte bei einem Pferd in Herdenhaltung nicht plötzlich verlangen, dass alle Pferde nasses oder bedampftes Heu bekommen sollten. Das war gar nicht machbar. Also suchte ich nach einem passenden Stall und musste feststellen, dass dieser mit meinen gewünschten Punkten quasi unmöglich zu finden war.

Und dann stand ich da, wissend, dass alles was ich machte (mit Training, Inhalieren und Desensibilisieren) nicht richtig wirken konnte, wenn ich die Reizung durch den Staub nicht abschalten konnte. Ich führte ein Tagebuch, in dem ich festhielt, was ich mit meinen Pferden gemacht hatte, wie das Wetter war und wie die Symptome waren*. Das half mir, Klarheit zu haben, aber natürlich änderte das nichts am grundsätzlichen Problem, dass ich mir eine perfekte Haltung für meine Pferde wünschte – doch je mehr ich mich damit beschäftigte, wie so eine perfekte Pferdehaltung aussehen würde, desto frustrierter wurde ich, denn ich erkannte, dass die Nachahmung der natürlichen Umwelt beim Menschen quasi unmöglich war.

Und dann war ich am Tiefpunkt: Was sollte ich machen, wenn nicht nur ich meinen Pferden nicht das bieten konnte, was sie brauchten, sondern das im Prinzip niemand konnte?

Daueranspannung erkennen

Was viele unterschätzen: Equines Asthma erzeugt oft eine ständige innere Anspannung beim Menschen.

  • Lauschen auf jedes Atemgeräusch
  • Beobachten von Atemfrequenz, Bauch und Nüstern
  • Angst vor dem nächsten Husten
  • Schuldgefühle bei Verschlechterung

Man kommt gar nicht mehr zur Ruhe, die Gedanken drehen sich nur noch darum und die Zeit im Stall, die eigentlich Spaß machen sollte, wird zum Horror.

Mentale Entlastung im Alltag

Gerade weil diese Erkrankung so unberechenbar ist und den ganzen Alltag in den Griff nehmen kann, ist es wichtig, sich immer wieder mentale Entlastung zu schaffen. Die kann für jede Person anders aussehen, abhängig davon, was als besonders be- und entlastend empfunden wird.

Für mich war es wichtig, eine Basis von Wissen zu schaffen, die mich handlungsfähig macht, aber mich gleichzeitig nicht in Recherchen zu verlieren und immer wieder Pausen zu machen, in denen ich mich bewusst ablenke, um nicht an den Stall zu denken.

Ich musste erst wieder lernen, meine Pferde nicht nur als Patienten zu sehen und zu erkennen, dass ich trotz der Erkrankungen Spaß haben konnte.

Mentale Entlastung kann vielfältig aussehen. Vielleicht machst du gern Sport, vielleicht hilft dir ein Entspannungsbad, vielleicht gehst du gern ins Kino oder vielleicht versuchst du auch mal eine Meditation oder Yoga? Egal was es ist: Es muss nur dir allein helfen! Diese kleinen Inseln im Alltag, die Entspannung und Ablenkung versprechen, sind nicht selbstsüchtig, egoistisch oder Zeitverschwendung. Sie sind essenziell wichtig, damit du dich nicht verlierst und genug Kraft hast, um für dich und dein Pferd da zu sein.

Unterstützung für dich als Mensch

Es ist wichtig, sich bei einer chronischen Erkrankung wie equinem Asthma Hilfe zu suchen. Nicht nur für das Pferd, sondern im Zweifelsfall auch für den Menschen, wenn man allein nicht mehr weiterkommt und der Stall gefühlt nur noch ein schwarzes Loch der Sorgen ist.

Mit mindEquus begleite ich Pferdebesitzer*innen, die mit chronischen Erkrankungen wie equinem Asthma leben. Mit all den Sorgen, Ängsten und inneren Konflikten, die dazugehören. Ich biete dir einen sicheren Ort, wo du alle Sorgen und Gedanken ungefiltert aussprechen darfst, ohne dafür verurteilt zu werden. Außerdem biete ich dir psychologische Begleitung an, helfe dir, Strategien zu finden, mit der Belastung umzugehen, oder helfe dir mit einer Entspannungshypnose, zur Ruhe zu kommen.

Wenn auch du Unterstützung haben möchtest oder noch Fragen hast, kannst du gern ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren.


* Affiliate-Link. Wenn du darüber bestellst, erhalte ich eine Provision, du bezahlst aber nicht mehr.

Quellen

Barton, A. K.; Gehlen, H. (2022). Equines Asthma – Update zu Terminologie, Diagnostik und Therapie. Pferdeheilkunde – Equines Medicine. 38, 4. 320 – 335.

Diez de Castro, E.; Fernandez-Molina, J. M. (2024). Environmental Management of Equine Asthma. Animals (Basel).

Philips, C. J. C.; McKenzie, H. C. (2024). The Most Common Environmental Risk Factors for Equine Asthma—A Narrative Review. Animals (Basel). 14(14).


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