Kotwasser ist eine dieser Erkrankungen bei Pferden, über die selten gesprochen wird. Klar, sie ist vielleicht etwas eklig und ist sicherlich (zum Glück) selten bis nie lebensbedrohlich. Nichtsdestotrotz ist es enorm belastend, wenn das Pferd dauerhaft Kotwasser hat.

Nicht nur wegen des Pferdes, sondern auch wegen der Blicke und Kommentare, die man ständig bekommt und dem Gefühl, sich immer wieder erklären zu müssen. Dazu kommt die permanente Suche nach Erklärungen und Lösungen sowie regelmäßiges Waschen (was besonders im Winter schwierig sein kann).


Kotwasser: Eine Krankheit mit vielen Ursachen

Mit das schwierigste an (chronischem) Kotwasser ist sicherlich, die Ursache zu finden und abzustellen, denn es gibt hier keine einfache Kausalität. Viel mehr können sehr viele Ursachen (teilweise auch zusammen) zu Kotwasser führen. Die bekanntesten sind vermutlich schlechte Futterqualität und Stress, aber damit ist die Liste noch lange nicht erschöpft.

Da ich allerdings weder Tierärztin noch Futterberaterin bin, möchte ich hier nicht zu sehr ins Detail gehen, um keine Falschinformationen zu verbreiten.

Stattdessen möchte ich gern auf zwei Werke von Conny Röhm verweisen, die mir selbst geholfen haben, Kotwasser besser zu verstehen (unbezahlte Werbung, versteht sich). Das ist einmal eine Podcast-Folge und einmal ihr Buch „Kotwasser beim Pferd verstehen, statt verzweifeln„.


Meine persönliche Geschichte mit Kotwasser

Krankes Pferd: Kotwasser

Ich hatte selbst Jahre lang mit einem Pferd zu tun, das massiv mit chronischem Kotwasser zu kämpfen hatte. Dabei war es teilweise so heftig, dass wie auf dem Bild zu sehen hinter ihr innerhalb von Sekunden eine Pfütze entstand. Wir sprechen also nicht nur von ein paar Tropfen Kotwasser.

Meine Stute Elayne hatte unter anderem auch noch Herzprobleme und equines Asthma, was das Ganze nicht einfacher gemacht hat, weil sich beides theoretisch auf die Verdauung auswirken könnte.

Und dann geht man auf Spurensuche. Was haben wir nicht alles gemacht, um ihr Abhilfe zu schaffen… Wir haben:

  • Die Haltung mehrfach verändert (Gruppenhaltung, Paddockbox zu zweit, nachts in der Box, 24 Stunden Wiese, nur teilweise Wiese, …)
  • Kotuntersuchungen gemacht
  • Bierhefe gefüttert
  • Lebendhefe gefüttert
  • Kräuter für den Darm gefüttert
  • Die Nerven unterstützt mit Zusatzfutter und Bachblütentropfen
  • Das Mineralfutter gewechselt
  • gar keine Zusatzfutter gefüttert
  • Kraftfutter nass gemacht
  • Mash gefüttert
  • Heucobs gefüttert
  • Nicht geritten
  • Osteo und Physio geholt
  • Die Zähne gemacht
  • Das Anweiden extrem langsam gestaltet
  • Von Heulage zu Heu gewechselt
  • Von rationiertem Futter zu Heu ad libitum gewechselt

Das alles ist natürlich in Absprache mit der Tierärztin und auch langsam passiert (also nicht mit ständigen Wechseln, sondern über Jahre hinweg), aber immer wenn man mal das Gefühl hatte, dass es besser wurde, kam es auch schon wieder.

Und manchmal war es wirklich richtig heftig, sodass hinter Elayne Pfützen entstanden und sie den Bauch richtig hochzog. Das tat mir unheimlich leid, ich wollte ihr schließlich helfen! Aber ich wusste auch einfach nicht, was ich noch machen sollte.

Also fing ich an, ein Tagebuch zu führen, in dem ich jeden Tag aufschrieb was ich mit Elayne gemacht habe, wie das Wetter war, welche Symptome mir aufgefallen sind und ob sonst etwas wichtiges war. (Daraus ist übrigens mein Trainings- und Gesundheitstagebuch* entstanden)

Das Einzige, was dabei auffiel, war der Zusammenhang von Elaynes Müdigkeit/Lustlosigkeit und dem Kotwasser. Auch nicht immer, aber oft. Und so stellte sich die Frage: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? War der Kreislauf niedrig und dadurch die Verdauung gestört oder machte sie die schlechte Verdauung träge?

Pferdeauge mit Sorgenfalten

Am Ende ließ sich das alles nicht beantworten. Es gab noch die Theorie, dass das Kotwasser an Magengeschwüren lag, weshalb wir daraufhin Medikamente gegeben haben, aber leider ohne Erfolg. Zum Schluss stand dann noch eine chronische Darmentzündung im Raum, diesem Verdacht konnten wir aber leider nicht mehr nachgehen, weil wir Elayne durch einen Weideunfall einschläfern lassen mussten.

Ich hätte wirklich gut auf die Erfahrung mit chronischem Kotwasser verzichten können, denn wie schon gesagt, es ist zwar keine lebensbedrohliche Krankheit, aber dennoch eine enorm zermürbende. Ich fühlte mich ständig schuldig und es war mir peinlich, dass mein Pferd permanent Luft abließ und dabei Pfützen hinterließ. Das schoss dabei teilweise so aus ihr heraus, dass man mit größerem Abstand hinter ihr herlaufen musste. Es war einfach nur grausig, aber trotz all meiner Versuche haben wir nie eine gute Lösung gefunden.

Und so hatte ich immer wieder das Gefühl, mich erklären und rechtfertigen zu müssen. Ich sah Blicke von Stallkolleginnen und interpretierte etwas hinein, was womöglich gar nicht da war. Noch dazu gab es immer wieder Nachfragen oder Ratschläge. Die waren sicher alle gut gemeint, aber irgendwann reagierte ich sehr gereizt auf das Thema. Ich wollte nichts mehr dazu hören. Kein „Also uns hat XY geholfen“ oder „Hast du schonmal YZ ausprobiert?“. Ich konnte und wollte das alles nicht mehr. Aber es half nichts, also versuchte ich damit zu leben, Elayne regelmäßig zu waschen und ihren Bauch so gut wie möglich zu unterstützen.

Bild: Starkes Kotwasser beim Pferd

Dass alle Versuche nicht zielführend waren, war möglich das Schlimmste. Nicht nur finanziell, auch emotional. Wenn die Tierärztin irgendwann nicht mehr weiter weiß, fühlt es sich manchmal an, als hätte man etwas grundlegendes falsch gemacht.


Mentale Strategien im Umgang mit Kotwasser

Du hast es vielleicht schon rausgelesen: bei chronischem Kotwasser spielen Grübelgedanken, Schuldzuweisungen und ein schlechtes Gewissen eine große Rolle. Aber auch das übermäßige Recherchieren kann zermürbend sein.

Wenn die Sorgen um das Pferd bleiben, obwohl du schon tausende Strategien versucht hast, ist es wichtig, auch auf dich zu achten.

Mir hat es zum Beispiel geholfen, das Tagebuch zu führen (wie oben beschrieben), weil ich das Gefühl hatte, aktiv dazu beizutragen Elayne zu helfen. Es hat mir das Gefühl von Hilflosigkeit ein Stück weit genommen.

Außerdem kam irgendwann der Punkt, an dem mich Kommentare von anderen genervt haben. Aber nicht, weil sie mir ein schlechtes Gewissen gemacht haben, wie am Anfang, sondern weil ich erkannt habe, dass ich schon enorm viel Zeit und Energie in die Aufklärung des Kotwassers gesteckt habe. Ich konnte also rational erkennen, dass ich mir nicht vorwerfen konnte, zu wenig gemacht zu haben.

Doch ohne Input von außen brauchen solche Erkenntnisse Zeit.


Du darfst dich entlasten

Chronische Symptome (egal wie „harmlos“ sie vielleicht objektiv sind) dürfen emotional belasten und das bedeutet, dass du dir selbst zugestehen darfst, dass das Kotwassers deines Pferdes auch etwas mit dir macht. Oder vielleicht die Blicke und Kommentare der anderen im Stall.

Sobald du das erkannt hast, darfst du dir auch eingestehen, dir selbst etwas Gutes zu tun. Versuche, dir selbst Mitgefühl (nicht Mitleid!) gegenüberzubringen und deine Gefühle nicht kleinzureden.

Und wenn du mentale Unterstützung brauchst (oder jemanden, der auch schon eine Kotwasser-Odyssey hinter sich hat), darfst du dir gern mein Online-Coaching ansehen. Mit mindEquus unterstütze ich Besitzer*innen dabei, sich selbst nicht zu verlieren, während sie sich um ihr Pferd kümmern. Wenn du möchtest, kannst du hier ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen.

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