Eine Weile waren die Erkrankungen PSSM und PSSM2 gefühlt in aller Munde (oder ich war besonders sensibel dafür). Heute wird PSSM2 unter dem Namen MIM (Muskel-Integritäts-Myopathie) geführt. Das ist eine sogenannte Belastungsmyopathie, was bedeutet, dass die Funktion und/oder Struktur der Muskulatur geschädigt ist (Quelle: generatio).
Meine Geschichte mit MIM/PSSM2
Ich habe mich erstmals damit beschäftigt, weil mein Pferd ein sehr schwieriges Nervenkostüm hatte. Jemand hatte mich auf (damals noch) PSSM2 aufmerksam gemacht und ich habe mir prompt zwei Vorträge dazu angesehen. Dort wurden mir die Hintergründe zur Funktion von Muskeln und den möglichen Erkrankungen dargestellt, aber auch eine schier endlos lange Liste mit möglichen Symptomen.
Gefühlt konnte jede*r irgendetwas davon in seinem oder ihrem Pferd finden. Aber: Die Liste an MIM Symptomen, die zu meiner Elayne passten (die sowieso schon einige Krankheiten mit sich herum trug, wie Herzprobleme, Magenprobleme, equines Asthma und chronisches Kotwasser), war unheimlich lang. Einige dieser Problematiken hatte sie schon, seit sie bei mir war und es gab nie eine Erklärung dafür.
Zu den Symptomen zählten:
- Zunehmende Bewegungsunlust/Lethargie
- Schleifende Hinterhand
- Regelmäßig Probleme im ISG
- Schmerzgesicht
- Muskelverspannungen
- Empfindlich reagieren auf Kälte/Nässe/Wind
- Kotwasser
- Wegknicken mit der Hinterhand im Trab
- Stolpern
- Hängender Brustkorb (Trageschwäche)
- Baut sehr schlecht Muskulatur auf, gerade an der Oberlinie
Die Schwierigkeit war für mich, dass die Symptome so diffus waren, dass sie zu vielen Dingen gepasst hätten (gerade mit den bekannten Erkrankungen von Elayne), aber es waren eben doch auch Symptome dabei, die ich sonst noch nirgends in der Kombination gesehen hatte und ich wusste sowieso nicht mehr weiter und meine Tierärztin auch nicht, also warum sollten wir nicht auch in diese Richtung denken?
Auf Verdacht (da einfach so vieles passte) habe ich Elaynes Futter umgestellt. Da ich keine Futterberaterin bin, werde ich hier nicht auf Details eingehen, da das doch stark vom Pferd abhängt.
Beeindruckend fand ich, dass sich die ersten Veränderungen nach ein paar Wochen einstellten. Sie wurde viel wacher, motivierter, lief runder und sah deutlich besser aus. Sie muskelte sogar langsam auf. Irgendetwas schien also richtig gelaufen zu sein!
War es wirklich MIM/PSSM2?
Am Ende kann ich nicht sagen, ob Elayne wirklich MIM/PSSM2 hatte. Ich kann nur sagen, dass die Fütterung ihr geholfen hat und am Ende ist mir das Label fast egal. Denn die Probleme waren echt und die Veränderung durch die Futterumstellung auch.
MIM ist meines Wissens nach noch nicht ausreichend erforscht und es gibt immer wieder die Vermutung, dass es doch eine andere Erkrankung ist, die sich dahinter verbirgt oder die Symptome auf etwas ganz anderes (z.B. auch fehlende Nährstoffe) zurückzuführen sind.
Mentale Belastung durch MIM/PSSM2
Ich weiß aber, dass viele durch die Symptome stark beeinträchtigt werden. Denn sie sind nicht wirklich erklärbar und die Tagesform des Pferdes schwankt teilweise von Tag zu Tag sehr stark. Das kann für Besitzer*innen sehr belastend sein.
- Man weiß nie, was einen erwartet
- Es gibt noch zu wenig belastbare Forschung, das heißt man muss selbst sehr viel ausprobieren
- Man wird teilweise nicht ernstgenommen (nicht mal von Tierärzt*innen)
- Man muss sich ständig erklären
Mir hat es enorm geholfen, einen Namen für die Probleme zu haben und somit selbst wieder handeln zu können. Auch wenn vieles so unklar war, war ich endlich nicht mehr hilflos. Ich konnte das Futter anpassen und die Symptome beobachten und dokumentieren*.
Für mich war das entlastend, aber für manche wird die Anspannung dadurch immer größer. Denn man recherchiert, obwohl es keine eindeutigen Antworten gibt und optimiert immer weiter. Es ist ein permanentes Verändern, aber weil es so viele Faktoren gibt, die eine Rolle für die Gesundheit des Pferdes spielen, ist es nicht so einfach herauszufinden, was wirklich hilft oder Probleme bereitet.
Mentale Strategien bei MIM/PSSM2
Viele mentale Strategien, die bei chronischen Erkrankungen helfen, gelten auch im Umgang mit MIM/PSSM2.
Auch dabei geht es immer wieder um den Umgang mit Daueranspannung, das Aushalten von Unsicherheit, das Loslassen von Schuldgedanken und die Frage nach den eigenen Grenzen.
Gleichzeitig bringt MIM/PSSM2 einige spezifische psychische Herausforderungen mit sich, die in der Begleitung eine besondere Rolle spielen. Denn hier geht es nicht nur um die dauerhafte Symptomlast. Es geht teilweise darum, ob das Pferd jemals richtig reitbar wird und ob die Träume, die daran geknüpft waren, erreicht werden können. Und die Unsicherheit, ob die Veränderungen in Futter und Training richtig sind, sind enorm.
Mental bedeutet das ständige Hin und Her von MIM/PSSM2, dass es kaum echte Entspannung gibt. Durch das Aufgeben von Träumen durchlaufen Besitzer*innen außerdem oftmals Trauerprozesse, die nicht von allen verstanden werden.
Deswegen möchte ich dir ein paar Gedanken mitgeben:
Entscheidungsfähigkeit als zentral erkennen
Nicht jede Unsicherheit lässt sich auflösen. Eine wichtige mentale Strategie ist es, Entscheidungen als bestmöglich im jeweiligen Moment zu akzeptieren, anstatt sie ständig rückwirkend infrage zu stellen.
Regulation statt ständiger Wachsamkeit
Dauerhafte Anspannung im Nervensystem hilft weder dem Menschen noch dem Pferd.
Lernbar ist, zwischen notwendiger Aufmerksamkeit und innerem Alarm zu unterscheiden.
Gib dir Raum für Trauer und Ambivalenz
Viele Besitzer*innen trauern um das Pferd, das sie sich anders vorgestellt haben. Das heißt nicht, dass du dein Pferd nicht trotzdem liebst. Aber du hast eine Enttäuschung erlebt und musst evtl. lernen, neue Ziele aufzubauen. Das kann gleichzeitig mit der Liebe für dein Pferd existieren und heißt nicht, dass du ein*e schlechte*r Besitzer*in bist!
Warum psychologische Begleitung hier unterstützen kann
Genau an diesem Punkt setzt mit mindEquus meine psychologische Begleitung für Besitzer*innen von kranken Pferden an.
Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu finden, die für alle passen. Ich kann dein Pferd nicht wieder gesund machen, aber ich stelle mich mit dir der Frage: Wie kannst du diesen Weg gehen, ohne dich selbst dabei zu verlieren?
Die Begleitung schafft Raum für:
- Entlastung von innerem Druck
- einen klareren Umgang mit Unsicherheit
- tragfähige Entscheidungen
- Trauer, auch in Bezug auf verlorene Träume
- alle Gedanken und Sorgen, die mal ausgesprochen werden müssen und für die du dich bei anderen schämst
- und eine Beziehung zum Pferd, die nicht nur von Krankheit bestimmt ist
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, findest du hier weitere Informationen zu meinem Angebot oder kannst hier direkt ein kostenloses Kennenlerngespräch buchen.
Manchmal ist es kein weiteres Wissen, das fehlt, sondern ein Ort, an dem all das, was diese Erkrankung innerlich auslöst, ernst genommen wird.


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