Was dir helfen kann, wenn dein Pferd chronisch krank ist und es nicht länger nur um den Akutfall geht
Der erste Schock ist vorbei. Die 5 Dinge, die du tun kannst, wenn dein Pferd plötzlich krank wird, helfen nicht mehr. Die Diagnose steht vielleicht, ein Behandlungsplan läuft, der Alltag kehrt langsam zurück – und trotzdem bleibt da etwas: Die Sorge um die Gesundheit des Pferdes, die gemeinsame Zukunft und die finanzielle Belastung.
Viele Pferdehalter*innen erleben, dass die erste Belastung durch die Unklarheit abflacht, aber diese direkt durch eine andere Belastung abgelöst wird. Es bleibt eine Ungewissheit. Aber auch die Verantwortung vielleicht das Gefühl, Schuld an der Krankheit zu sein oder die Befürchtung, dass man früher hätte handeln sollen.
Dieser Beitrag richtet sich an genau diese Phase. Ich möchte dir ein paar Tipps an die Hand geben, mit denen du dich auseinandersetzen und dir selbst helfen kannst, wenn dein Pferd chronisch krank ist und du noch gar nicht weißt, wie du damit umgehen sollst.
Ich kenne das nicht nur theoretisch aus meinem Psychologiestudium, sondern auch ganz praktisch von diversen Erkrankungen meiner Pferde, vor allem aber von meiner ersten Stute Elayne, die irgendwann eine Großbaustelle war (Herzprobleme, Magenprobleme, chronisches Kotwasser, equines Asthma, …), die ich trotzdem unheimlich geliebt habe, weshalb mich ihre Gesundheit stark belastet hat.
1. Erkenne an, dass Dauerbelastung etwas anderes ist als ein Akutfall
Ein chronisch krankes Pferd bedeutet oft:
- jeden Tag beobachten, was sich verändert
- regelmäßige Entscheidungen darüber, wie es weitergeht und ob Unterstützung benötigt wird
- Unsicherheit über den Verlauf
- emotionale Achterbahnfahrten
Das ist keine kurzfristige Herausforderung, sondern für viele eine Form von Carearbeit. Denn ja, Carearbeit heißt nicht nur, Kinder oder kranke Angehörige zu pflegen. Auch die Pflege eines chronisch kranken Pferdes fällt darunter und ist enorm anstrengend. Es ist wichtig, das anzuerkennen – auch für dich selbst.
Sich dauerhaft Sorgen zu machen, kostet Kraft. Und diese Erschöpfung ist nachvollziehbar. Das anzuerkennen und nicht runterzuspielen ist ein erster wichtiger Schritt.
2. Achte auf kleine Warnsignale
Dauerhafte Belastung zeigt sich nicht immer dramatisch durch den „Breakdown“ oder das Burnout. Und das kann durchaus das Tückische daran sein. Die großen Symptome werden viel eher wahrgenommen (von dir selbst, aber sie werden auch von außen meist mehr akzeptiert). Häufig sind es jedoch kleine Veränderungen, die wir uns schnell wegerklären und zur Seite schieben können, die zeigen, wie belastet wir bereits sind. Doch sie sind die ersten Signale dafür, dass du unter Dauerspannung stehst und diese kann (muss aber nicht) irgendwann zum Breakdown oder Burnout führen. Deswegen ist es wichtig, auch kleine Signale ernst zu nehmen! Dazu zählen:
- ständiges Gedankenkreisen
- innere Anspannung auch in ruhigen Momenten
- Schlafprobleme
- Reizbarkeit oder eine kurze Zündschnur
Diese Signale bedeuten nicht, dass du etwas falsch machst, aber sie sind ein Zeichen, dass dein Körper eine Pause braucht, weil er unter Dauerstress steht. Du darfst diese Signale ernst nehmen.
3. Kleine Inseln von Normalität schaffen
Wenn sich vieles um Krankheit dreht, geht schnell das Gefühl für Ausgleich verloren. Wir hetzen nur noch von A nach B, die Gedanken kreisen immer um das Thema chronisch krankes Pferd und Normalität gibt es gar nicht mehr. Umso wichtiger sind kleine Momente, die nichts mit Sorgen zu tun haben:
- ein bewusster Spaziergang
- ein ruhiger Moment im Stall, ohne dass du nur beobachtest, wie es deinem Pferd geht
- Zeit mit Menschen verbringen, die nicht nur über das Pferd sprechen und dich ablenken können
- Ein anderes Hobby außerhalb vom Stall
Mache dir klar, dass diese Inseln kein Weglaufen sind. Du solltest dich nicht schuldig fühlen, wenn du etwas anderes machst, als dich nur um dein Pferd zu kümmern. Diese Zeiten sind Regeneration.
Ein Gedanke zum Schluss
Die hier vorgestellten Strategien sind ein Anfang. Ein erster Rahmen, der dir Orientierung geben kann, aber natürlich kein vollständiger, für dich individuell passender Plan.
Viele merken, was ihnen guttun würde und schaffen es trotzdem nicht, es umzusetzen. Das liegt nicht an mangelnder Disziplin oder Schwäche, sondern an der Tiefe der Belastung.
Ein chronisch krankes Pferd zu begleiten bedeutet, mit Unsicherheit zu leben. Es kann sich immer wieder etwas verändern, aber man kann auch lernen, mit dieser Unsicherheit umzugehen. Wenn du erst einmal gute Strukturen für dich und dein Pferd geschaffen hast, ist die Fallhöhe nicht mehr so groß. Und vergiss nie, dass es keine Schwäche ist, auch für sich selbst zu sorgen. Du kannst deinem Pferd nur langfristig helfen, wenn du über die Pflege nicht in ein Burnout rutschst.
Deine Sorge zeigt, wie sehr du dein Pferd liebst.
Aber Selbstfürsorge zeigt auch Verantwortung für euch beide. Also vergiss dich selbst nicht!
Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst, bin ich als psychologische Begleitung mit mindEquus gern für dich da und du kannst hier ein kostenloses Kennenlerngespräch vereinbaren!


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